Die gesamte Palette der Emotionen

 

Am 8.6.2018 ging es los: Das erste Mal für die 2009er zum Miniturnier nach Göttingen.

Die Taschen u. Koffer waren gepackt u. Denzel, Helene, Lennard, Maxi, Mia, Sancho, Sophie, Valentin u. Vicco freuten sich auf 2 Tage Basketball. Toni, Christian u. ich waren bestens vorbereitet. Nur hatten sie und wir keine Ahnung, was sich alles in den nächsten 53 Stunden abspielen würde!

 

AUFREGUNG, FREUDE, SPASS, FRUST, ÄRGER, MÜDIGKEIT, ERSCHÖPFUNG, ANGST, SCHMERZEN, MUT, APPETITLOSIGKEIT, TRÄNEN, KRAFTLOSIGKEIT,  ENERGIE, LEIDENSCHAFT u. letztendlich pure FREUDE wurden von uns allen durchlebt.

 

Nach vier Stunden Fahrt mit guter Laune u. viel zu Essen erreichten wir am Freitag um 20:30 Uhr unsere Unterkunft in der Geismar I.

Es erwartete uns eine Halle mit gefühlten 35 Grad u. 100% Luftfeuchtigkeit. Die 50 bestellten Pizzen kamen kurz nach uns an, fanden jedoch nur wenig Platz in den Mägen der 2009er.

Wie sollte man bei den Temperaturen schlafen? Einige entschieden sich, deutlich nach Mitternacht, nach draußen zu ziehen. Die meisten wurden von der Müdigkeit übermannt, nur Valentin nicht....erst um 2 Uhr!

Um 5 Uhr war die Nacht dann jedoch wieder vorbei. Manche haben es geschafft, 5 Stunden zu schlafen, Valentin nur 3 :-(

 

Nach fast 4 Monaten ohne Spielbetrieb trafen wir dann um 12:15 Uhr auf den Gastgeber, die BG 74 Göttingen. Uns fehlte der nötige Biss, die nötige Spannung, der Kopf war unten, der Ball oft im Aus, die Orientierung war schlecht. Wir verloren bitter mit 1 Punkt. Ich schaute in traurige, verweinte u. frustrierte Gesichter.  An unserem "Besprechungsbaum" wurde resümiert, woran es lag u. was besser gemacht werden muss.

 

Der Zeitplan ließ es nicht zu, in entfernte Hallen zu fahren. BGZ Wannsee spielte ihre Spiele aber in der Nebenhalle, wo wir dann kräftig anfeuern konnten.

 

Um 16:15 Uhr, im Spiel 2 trafen wir dann auf DBV Charlottenburg. Sie verloren ebenfalls knapp gegen Göttingen. Es ging also ganz klar um den 2. Platz, sprich den Einzug ins Viertelfinale. Es konnte ein Duell auf Augenhöhe werden. Die Ansagen waren klar: Fehler minimieren u. Geübtes umsetzen.

Wir kamen besser ins Spiel u. siehe da, jeder BGZler auf dem Feld zeigte, zu was er/sie im Stande war. Valentin spielte sich in einen Rausch und wir besiegten DBV mit 58:27! Ich hatte das Gefühl, ein komplett anderes Team zu coachen.

 

Mit dem Sieg erspielten wir uns Spiel Nr. 3 um 18:15 Uhr. Gegen wen war bis kurz vor Spielbeginn unklar. Als Gruppenzweiter der Gruppe II trafen wir schließlich auf den Gruppenersten der Gruppe I. Kein Geringerer als ALBA warte dort auf uns!

Mit dem guten Gefühl aus Spiel 2 gingen wir aufs Feld. Zu jedem Zeitpunkt war es knapp, aber die Bälle wollten nicht so recht fallen.  Das Spiel wurde hektischer und war geprägt vom Kampfgeist aller Beteiligten.

Sancho zündete die letzten Minuten vor Spielende den spanischen Turbo (Papa José sorgte für das Feuer vom Spielfeldrand aus ;-))

Sancho war auf einmal überall am Ball, stealte o. reboundete, passte, dribbelte u. traf. Am Ende der 24 Minuten hieß es: Overtime!

Der deutsch/spanische Motor war noch heiß u. scorte erneut u. brachte uns den Sieg über Alba, den Einzug ins Halbfinale und Tränen in meine Augen!

 

Am Rande der Erschöpfung, aber überglücklich ging es dann mit den u9 Eltern Essen.

Wie zu erwarten war der zweite Abend etwas ruhiger u. die Kinder schliefen zumindest 6-7 Stunden.

 

Sonntag um 9:30 Uhr stand dann das Halbfinale gegen Friedenau auf dem Plan.

Sophie fiel bereits den gesamten Samstag mit Schmerzen am Fuß aus, feuerte aber an, was das Zeug hält (von wem hat sie nur diese kräftige Stimme?).

Denzel kam humpelnd zum "Besprechungsbaum", weil er mit Schlappen umgeknickt ist und Valentin und Sancho sahen blass um die Nase aus. Der Schlafmangel u. die Anstrengung vom Vortag war allgegenwärtig!

Wir kannten unseren Gegner und ich wusste, dass es möglich war. Ich wollte alle nur kurz aufs Feld schicken u. ihnen viele kurze Pausen geben. Wir starteten zu siebt. Der Plan ging auf, bis mir Valentin u. Sancho klar zu verstehen gaben, dass sie nicht spielen können. Der Akku war leer! Fünf blieben übrig.....bis Helene mit einem Pferdekuss und vor Schmerzen weinend vom Feld musste. Vier blieben übrig! Mia, Maxi, Lennard u. Vicco waren am Limit ihrer Kräfte. Ich schaute immer wieder verzweifelt auf die Bank und  suchte nach Wechselspielern.....bis mir Helene sagte, dass sie rauf möchte und auch Valentin es versuchen wollte! Diesmal übernahm Maxi die Rolle des go-to-guy und kämpfte wie ein Löwe. Am Ende fehlte die Kraft und die anderen 3 Spieler. Wir unterlagen knapp. Ja, man war traurig, aber nicht frustriert, denn alle hatten ihr Bestes gegeben!

 

Der letzte Kraftakt sollte dann um 12:30 Uhr im Spiel um Platz 3 folgen. Nur wie zu viert? Helene wollte und konnte ich nicht mehr aufs Feld schicken. Zu groß wurden die Schmerzen :-(

Während ich mir den Kopf zerbrach, gaben die Eltern ihr Bestes und pflegten ihre angeschlagenen Kinder.

Aber da war doch noch der kleine blonde Joker in der mu11 namens Johannes. Johannes spielte das letzte Jahr mit den 2007ern, wollte dann aber nach Göttingen zu uns zurückkehren. Ein Versuch war es wert. Ich fragte und er kam. Und mit ihm neue Kraft, Motivation und Freude.

Mia (am Ende das letzte weibliche Einhorn), Maxi, Vicco, Lennard, Denzel, Valentin und Sancho sammelten ihre letzten Kräfte, ignorierten Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Mit Johannes an der Seite wollten sie den 3. Platz, die Bronzemedaille! Sophie und    Helene strapazierten ihre Stimmbänder und gaben auf der Bank ihr Bestes beim Anfeuern.

Da war ja noch eine Rechnung offen! Denn wir spielten erneut gegen unseren ersten Gegner, die Göttinger.

Durch eine Mischung aus tollen Szenen, Pässen von Johannes auf Valentin, unbändiger Leidenschaft und Willen führten wir 5 Minuten vor Spielende. Doch wissen wir, dass im Basketball (fast) alles möglich ist und unsere Führung schrumpfte auf einen Punkt. Es waren noch 18 Sekunden zu spielen und unserer Ballbesitz. Konnte ich einer u9 taktisch klar machen, was sie machen müssen, um zu gewinnen? Die Ansage war eindeutig: Den Ball halten und die Zeit runter spielen durch sichere Pässe oder einen festen Schutzarm. Wahrscheinlich wäre es ohne den Ballverlust bei noch 15 Sekunden zu spielen zu langweilig geworden! Das Glück war auf unserer Seite und der Ball fand nicht mehr den Weg in unseren Korb. Puhhh! Mal wieder völlig verschwitzt und völlig fertig! Und was für ein Einstand/Comeback von Johannes!

 

Zusammengefasst:

Das erste Spiel schlecht gespielt und verdient mit einem Punklt verloren, im zweiten Spiel über sich hinausgewachsen und gezeigt, wie man Team-Basketball spielt und damit gewinnt, das dritte Spiel mit Einstellung, Willen und Kraft gewonnen, das vierte verletzungsbedingt und mit etwas Pech knapp verloren, um sich im fünften Spiel zu belohnen und knapp mit plus 1 zu gewinnen und damit Platz 3 zu holen.

Alle aufgeführten Emotionen waren in den 53 Stunden vorhanden. Sie werden uns alle ein Leben lang begleiten und uns helfen, besser zu werden :-)

Ich bin mir sicher, dass diese 10 Kinder so unglaublich viel mit in die nächste Saison nehmen werden und freue mich diebisch, sie noch ein Jahr lang begleiten zu dürfen.

 

Ein Dankeschön:

Danke an euch 10, dass ich euch hart, fast gnadenlos coachen durfte. Ich möchte alles aus euch herauskitzeln, was in euch steckt. Und da steckt noch soooooo viel!

Danke, dass ihr als TEAM die Spiele gewonnen habt.

Ein extra Dank an die Mädchen, die sich in der Basketball-Welt der Jungen durchkämpfen und ganz toll und tapfer waren.

Danke an euch Eltern und meine Eltern, die eine unglaubliche Atmosphäre bei jedem Spiel geschaffen haben und immer hilfreich zur Seite standen.

Danke an Toni und Christian, ohne die Göttingen 2018 nicht zu diesem Event geworden wäre.

 

Ich hatte viel Spaß, bin stolz wie Bolle und immer noch müde. Göttingen 2019 ist ein Muss!

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Gute Nacht. BGZ go!